<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/" xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/" xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom" version="2.0" xmlns:itunes="http://www.itunes.com/dtds/podcast-1.0.dtd" xmlns:googleplay="http://www.google.com/schemas/play-podcasts/1.0"><channel><title><![CDATA[pseudonotes: German Posts]]></title><description><![CDATA[Gedanken in deutscher Sprache]]></description><link>https://www.pseudonotes.com/s/deutsch</link><image><url>https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!EHtz!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F85e7202d-ee03-46dd-9067-1377c35dfb62_1216x1216.png</url><title>pseudonotes: German Posts</title><link>https://www.pseudonotes.com/s/deutsch</link></image><generator>Substack</generator><lastBuildDate>Fri, 17 Apr 2026 02:48:54 GMT</lastBuildDate><atom:link href="https://www.pseudonotes.com/feed" rel="self" type="application/rss+xml"/><copyright><![CDATA[pseudonotes]]></copyright><language><![CDATA[en]]></language><webMaster><![CDATA[pseudonotes@substack.com]]></webMaster><itunes:owner><itunes:email><![CDATA[pseudonotes@substack.com]]></itunes:email><itunes:name><![CDATA[pseudonotes]]></itunes:name></itunes:owner><itunes:author><![CDATA[pseudonotes]]></itunes:author><googleplay:owner><![CDATA[pseudonotes@substack.com]]></googleplay:owner><googleplay:email><![CDATA[pseudonotes@substack.com]]></googleplay:email><googleplay:author><![CDATA[pseudonotes]]></googleplay:author><itunes:block><![CDATA[Yes]]></itunes:block><item><title><![CDATA[Warum es immer noch kein Framework für Kapitaldynamik gibt]]></title><description><![CDATA[Ein Problem Statement]]></description><link>https://www.pseudonotes.com/p/warum-es-immer-noch-kein-framework-fuer-kapitaldynamik-gibt</link><guid isPermaLink="false">https://www.pseudonotes.com/p/warum-es-immer-noch-kein-framework-fuer-kapitaldynamik-gibt</guid><dc:creator><![CDATA[pseudonotes]]></dc:creator><pubDate>Sat, 07 Mar 2026 20:52:01 GMT</pubDate><enclosure url="https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!EHtz!,w_256,c_limit,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fsubstack-post-media.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F85e7202d-ee03-46dd-9067-1377c35dfb62_1216x1216.png" length="0" type="image/jpeg"/><content:encoded><![CDATA[<p><em><a href="https://www.pseudonotes.com/p/why-we-still-lack-a-framework-for-capital-dynamics">English Version available here.</a></em></p><p>Die materielle Reproduktion kapitalistischer Gesellschaften h&#228;ngt von privaten Investitionsentscheidungen ab &#8212; davon, ob, wo und wie Kapital expandiert. Ob dieses Arrangement Dynamiken erzeugt, die die Gesellschaften, die um es herum gebaut sind, beherrschen, ist die Frage, an der &#8222;Kapitalismus" als analytische Kategorie steht und f&#228;llt. Das hat bisher niemand nachgewiesen. Fred Block hat die radikale Konsequenz daraus gezogen: Weder die marxistische Tradition noch ihre Nachfolger h&#228;tten eine koh&#228;rente Systemlogik des Kapitals aufgezeigt; der Begriff sollte zugunsten von Polanyis &#8222;Marktgesellschaft" aufgegeben werden. Aber Blocks Frage l&#228;sst sich nicht begrifflich entscheiden. Sie l&#228;sst sich nur beantworten, indem man versucht zu bauen, was fehlt: eine operative Darstellung von Kapital als zeitlichem, bilanzgebundenem und institutionell konstituiertem Prozess. Die kritische Vorarbeit ist geleistet: Die Annahmen der Mainstream-&#214;konomik sind von gen&#252;gend Seiten demontiert worden, dass die Debatte, unter ernstzunehmenden Wissenschaftlern, entschieden ist. Was aus diesem Erfolg nicht hervorgegangen ist, ist ein Ersatz. Der folgende Essay sondiert die bedeutendsten Versuche, einen solchen zu entwickeln, und versucht zu identifizieren, wo und warum jeder von ihnen haltmacht.</p><p>Diese Leerstelle ist nicht allein wissenschaftlich relevant. Nach der Finanzkrise kam trotz Nullzinsen die Wirtschaft nicht wieder in Fahrt, obwohl alle f&#252;hrenden Modelle das anders vorhersagten. In Japan sieht man dies nun schon &#252;ber eine ganze Generation hinweg. Die wirtschaftspolitischen Akteure verf&#252;gen nicht &#252;ber die theoretischen Mittel, um zu erkl&#228;ren warum, geschweige denn wirksam zu reagieren. Ob es um Klima geht, um Industriepolitik, um die Transformation von Regionen, die von Verschiebungen in Wertsch&#246;pfungsnetzwerken betroffen sind, oder auch um das Auseinanderbrechen der Weltordnung als Ganzer: Das Fehlen eines Frameworks daf&#252;r, wie Investitionsentscheidungen tats&#228;chlich getroffen werden und was sie begrenzt, l&#228;sst progressive Politik zwischen leerem Radikalismus, der nicht einmal angeben kann, was der Staat tun soll, und technokratischem Management, das seine Annahmen ausgerechnet von den Frameworks borgt, die es &#252;berwunden zu haben beansprucht, pendeln. Die Unf&#228;higkeit, eine glaubw&#252;rdige &#246;konomische Alternative zu formulieren, ist kein Versagen des politischen Willens. Sie ist in erheblichem Ma&#223;e ein Versagen der Theorie.</p><h2>Die Riesen</h2><p><strong>Marx</strong> hatte das Kapital als treibende Kraft am klarsten im Blick und befasste sich mit jeder Dimension, die eine Theorie der Kapitaldynamik integrieren m&#252;sste &#8211; Geld, Kredit, Akkumulation, Krise, die zeitliche Struktur der Produktion. Doch sein Projekt einer <em>Ableitung</em> aus der Warenform gelang nicht: Die Dimensionen bleiben verstreut &#252;ber ein unvollendetes und in sich widerspr&#252;chliches Werk, statt sich zu einem koh&#228;renten Framework zusammenzuf&#252;gen. Selbst die Tradition also, die am st&#228;rksten darauf besteht, Kapital als Totalit&#228;t zu theoretisieren, verf&#252;gt immer noch nicht &#252;ber eine Theorie der Investitionsentscheidung &#8211; und, entscheidend, der Investitionszur&#252;ckhaltung.</p><p><strong>Keynes</strong> brachte die Investitionsentscheidung selbst ins Zentrum der makro&#246;konomischen Theorie und identifizierte damit die zentrale Instabilit&#228;t, die Gleichgewichtsmodelle nicht aufnehmen k&#246;nnen: dass der Anreiz zu investieren chronisch schwach ist, weil Akteure unter fundamentaler Unsicherheit immer die Liquidit&#228;t der Festlegung vorziehen k&#246;nnen. Das war ein genuiner Bruch. Doch Keynes theoretisierte die Investitionszur&#252;ckhaltung prim&#228;r als psychologisches Problem &#8211; animal spirits, Grenzleistungsf&#228;higkeit des Kapitals, Liquidit&#228;tsfalle &#8211; und kanalisierte den Einfluss des Geldes auf die Realwirtschaft durch einen einzigen Transmissionsmechanismus: Liquidit&#228;tspr&#228;ferenz bestimmt den Zinssatz, der Zinssatz bestimmt die Investition. Das Ergebnis ist ein Framework, in dem Geld zwar nicht-neutral ist, aber an einem &#8211; zudem noch anfechtbaren &#8211; Punkt in die Darstellung eintritt, statt den &#246;konomischen Prozess durchg&#228;ngig zu konstituieren.</p><h2>Die Zeitgenossen</h2><p><strong>Jonathan Levy</strong> hat dieses Problem f&#252;r die Gegenwart am klarsten neu formuliert. In <em>The Real Economy</em> (2025), einer Fortf&#252;hrung seines fr&#252;heren <em>Capital as Process</em> (2017), argumentiert Levy, dass heute keine Disziplin der Sozialwissenschaften &#252;ber eine &#252;berzeugende Theorie der &#214;konomie verf&#252;gt, und macht sich daran, eine aufzubauen. Seine Definition von Kapital als &#8222;pecuniary process of forward-looking valuation&#8221; weist die Behandlung von Kapital als physischem Produktionsfaktor explizit zur&#252;ck und stellt die Investition &#8211; im Gegensatz zum Tausch, zur Ware oder zur Produktion &#8211; ins Zentrum der &#214;konomie. Levy verfolgt dies &#252;ber das gesamte Spektrum von Fragen, die eine Theorie der Kapitaldynamik beantworten m&#252;sste: Was bestimmt die Wahl zwischen Hortung und langfristiger Investition, was sind Unternehmen und welchen Zwecken dienen sie, wie verhalten sich Reichtum (Stocks) zu Einkommen (Flows), und warum ist der Anreiz zu investieren, wie Keynes formulierte, chronisch schwach. Das ist eine starke pr&#228;analytische Vision, im Schumpeterschen Sinne. Aber es bleibt eine Vision: Levys Werkzeuge sind die des Historikers &#8211; intellektuelle Rekonstruktion, Narration, Exegese &#8211;, und <em>The Real Economy</em> sagt uns, was eine Theorie der &#214;konomie erkl&#228;ren m&#252;sste, ohne die operative Maschinerie zu entwickeln, um es zu modellieren.</p><p><strong>Wynne Godley</strong> und <strong>Marc Lavoie</strong> hingegen haben tats&#228;chlich relevant operative Maschinerie geliefert. Ihre Stock-Flow-konsistenten Modelle bestehen darauf, dass jeder financial flow ein Gegenst&#252;ck haben muss, dass Stocks und Flows koh&#228;rent sein m&#252;ssen und dass makro&#246;konomische Analyse ohne Balance-Sheet-Accounting inkoh&#228;rent ist. Diese <em>Balance Sheet Perspective</em> ist unverzichtbar &#8211; es schlie&#223;t ein weites Feld intern inkonsistenter Theoriebildung aus. Doch Stock-Flow-Konsistenz ist eine disziplinierende Regel beim Nachdenken, keine Theorie der Kapitaldynamik.</p><p><strong>Perry Mehrling</strong> hat der Balance-Sheet-Perspektive institutionelle Tiefe hinzugef&#252;gt und damit der These der Nicht-Neutralit&#228;t des Geldes den konkretesten operativen Gehalt gegeben. Sein <em>Money View</em> rekonstruiert das Finanzsystem als Hierarchie ineinandergreifender Bilanzen, in der jeder Akteur einem &#220;berlebenszwang unterliegt &#8211; der Verpflichtung, Zahlungsverpflichtungen bei F&#228;lligkeit zu erf&#252;llen, ungeachtet der Solvenz. Er destilliert den Kernmechanismus der Kreditsch&#246;pfung: dass finanzielle Intermedi&#228;re sich entscheiden, illiquide zu werden, damit ein K&#228;ufer liquide werden kann, und dies initial unbegrenzt tun k&#246;nnen, praktisch aber darauf angewiesen sind, stabile Finanzierungsverh&#228;ltnisse zu organisieren, die ihre Intermediation tragen &#8211; Payment vs Funding / Initial Finance vs Final Finance. Das ist wohl die pr&#228;ziseste verf&#252;gbare operative Darstellung von Finanzdynamik. Doch sie wird durch eine bewusste Abstraktion erkauft: Mehrling analysiert den Kauf eines existierenden Verm&#246;genswerts und klammert die Auswirkungen auf Einkommen und Produktion explizit aus. Wenn Kredit nicht einen Hauskauf finanziert, sondern eine Ausweitung produktiver Kapazit&#228;t, kommt das gesamte Wechselspiel zwischen realer Produktion und finanzieller Zirkulation ins Spiel und Mehrlings Framework folgt dem nicht dorthin. Seine j&#252;ngere Arbeit &#8222;A Money View of Inflation: The Fourth Price of Money&#8221; (2024) stellt einen Versuch dar, vom Finanzsystem zur Realwirtschaft &#252;ber das Preisniveau zu gelangen, doch die Route verl&#228;uft &#252;ber Preise, nicht &#252;ber die Akkumulation von Kapital als Trias aus realem Stock und damit irreversibler produktiver Kapazit&#228;t, Profitquelle in den heutigen Flows und zugleich Anspruch auf k&#252;nftige Ertr&#228;ge im Financial Stock. Mehrlings kommendes Buchprojekt, das darauf zielt, den vierten Preis in eine umfassende Darstellung des Geldsystems als sozialer Infrastruktur einzubauen, mag das Framework erweitern &#8211; doch die Richtung der Erweiterung bleibt von der Finanzseite nach au&#223;en, nicht von der Produktion nach innen.</p><p><strong>J. W. Mason</strong> und <strong>Arjun Jayadev</strong> versprechen mit ihrem kommenden <em>Against Money</em> (2026) den ambitioniertesten aktuellen Versuch, Geld als etwas zu fassen, das die Realwirtschaft aktiv gestaltet. Masons bisherige Ver&#246;ffentlichungen und Vortr&#228;ge haben viele der Bausteine bereits entwickelt: Sein Argument, dass die Welt der Geldzahlungen keine zugrundeliegende Realwirtschaft widerspiegelt, sondern sie aktiv konstituiert &#8211; nicht nur in Krisen, sondern als Dauerzustand &#8211;, durch Schulden, Kapital, Liquidit&#228;t und Zins, ist die sch&#228;rfste verf&#252;gbare Formulierung der Nicht-Neutralit&#228;tsthese (2024). Sein Ausgangspunkt ist, dass Bilanzdynamik und reale Produktion &#8220;compose two separate systems, governed by two distinct sets of relationships&#8221; (2025), und dass die Aufgabe darin besteht, die Gelenkstellen zwischen ihnen zu identifizieren. Das entspricht dem Framing des Problems, das dieser Essay vorschl&#228;gt. Ob das fertige Buch &#252;ber die Diagnose hinaus zur operativen Modellierung von Kapitaldynamik vordringt, l&#228;sst sich auf Grundlage der bisher ver&#246;ffentlichten Arbeit nicht beurteilen. Doch die Entwicklung des Projekts selbst ist aufschlussreich: Ein geplantes Kapitel &#252;ber die Kapitalgesellschaft wurde herausgel&#246;st und wird zu einem eigenst&#228;ndigen Buch weiterentwickelt (<em>The Hidden Abode</em>, angek&#252;ndigt f&#252;r 2027). Die Entscheidung, die Firma &#8211; &#8222;a central locus of the conflict between the logic of money and concrete productive activity&#8221; (Mason 2025) &#8211; in ein zweites Buch zu verlagern, vollzieht selbst die Fragmentierung, die dieser Essay diagnostiziert. Die Ambition des Projekts macht es nichtsdestotrotz zu einem der am meisten erwarteten Beitr&#228;ge zum Feld.</p><p><strong>Nathan Tankus&#8217;</strong> breitere Arbeit &#8211; die die Balance-Sheet-Perspektive mit Minskys Instabilit&#228;tsthese verbindet und darauf besteht nachzuzeichnen, wie &#246;konomische Ergebnisse institutionell produziert werden, durch administrierte Preise, Forbearance-Entscheidungen und die Technicalities von Policy &#8211; repr&#228;sentiert einen starken Integrationsinstinkt. Ein spezifischer Befund ist f&#252;r das in diesem Essay diagnostizierte Problem besonders folgenreich: Seine Analyse der Investitionsplanung von Unternehmen hat gezeigt, dass der Standardtransmissionsmechanismus vom Zinssatz zur Investition nicht an einer Stelle, sondern an jedem Glied der Kette gebrochen ist: Diskontierungszinss&#228;tze sind nicht Marktzinss&#228;tze, Hurdle Rates sind nicht Diskontierungszinss&#228;tze, Hurdle Rates haben sich trotz Jahrzehnten fallender risikofreier Zinsen kaum bewegt, und selbst Hurdle Rates sind nicht der dominante Faktor bei Investitionsentscheidungen &#8211; Unternehmen setzen feste Kapitalbudgets administrativ fest und lassen sie zu stabilen Raten wachsen, unabh&#228;ngig von den Kapitalkosten. Die bindende Beschr&#228;nkung der Investition, so Tankus, ist die Menge der verf&#252;gbaren Finanzierung, nicht ihr Preis &#8211; was Investitionen nicht blo&#223; zinsunempfindlich macht, sondern <em>umso unempfindlicher</em> bei niedrigen Zinsen, also genau dann, wenn die Orthodoxie starke Reaktionsf&#228;higkeit unterstellt. Das ist genau die Art von Befund, die eine Theorie der Kapitaldynamik integrieren m&#252;sste. Doch die positive Frage &#8211; wie Investitionsentscheidungen tats&#228;chlich getroffen werden und wie sie die systematischen Dynamiken der Kapitalakkumulation erzeugen &#8211; bleibt allenfalls angerissen.</p><p>Selbst die prominenteste situative Erkl&#228;rung f&#252;r j&#252;ngere Investitionszur&#252;ckhaltung &#8211; <strong>Richard Koos</strong> These der Balance Sheet Recession, die die mangelnden Investitionen in Japan auf post-spekulative Schuldenminimierung zur&#252;ckf&#252;hrt &#8211; unterstreicht diese L&#252;cke eher, als dass sie sie schlie&#223;t: Selbst f&#252;r den Fall, f&#252;r den sie konzipiert wurde, ist sie partiell umstritten, und sie bietet eine transitorische Pathologie statt einer Theorie dessen, was Investition unter Normalbedingungen antreibt.</p><p>Was diese Bestandsaufnahme zeigt, ist ein Muster systematischer Unterbrechung: Jeder Beitrag folgt der Logik des Kapitals bis zu einer bestimmten Grenze und h&#228;lt dort an. Balance Sheet Frameworks, die die finanzielle Zirkulation pr&#228;zise modellieren, klammern die Produktion aus. Arbeiten, die rekonstruieren, was eine Theorie der &#214;konomie erkl&#228;ren m&#252;sste, entwickeln nicht die operative Maschinerie, um es zu modellieren. Empirische Demontagen des orthodoxen Transmissionsmechanismus haben keine positive Darstellung dessen hervorgebracht, was Investitionen bestimmt. Das sind keine Vers&#228;umnisse des Anspruchs &#8211; die hier besprochenen Wissenschaftler arbeiten in mehreren F&#228;llen explizit auf die Integration hin, die dieser Essay einfordert. Doch kein vorliegendes Framework modelliert Kapital gleichzeitig als das, was es ist: irreversible produktive Festlegung im realen Stock, Profitquelle in den laufenden Flows und bewerteter, kapitalisierter Anspruch auf k&#252;nftige Ertr&#228;ge im finanziellen Stock. Autor*innen, die diese Aspekte gleichzeitig in G&#252;ltigkeit halten, bleiben mit ihren &#220;berlegungen unterhalb eines Modells, welches zu bauen also die Aufgabe ist.</p><p style="text-align: center;"></p><p style="text-align: center;">&#10058;</p><p></p><h2>Eine Anmerkung zum Scope</h2><p>Dieser Essay konzentriert sein Problem Statement auf Kapitaldynamik als zeitlichen und bilanzgebundenen Prozess. Institutionen gehen als operative Infrastruktur in die Analyse ein &#8211; die finanzielle Mikrostruktur, durch die Kapital operiert: Bilanzen, Finanzierungsarrangements, Hurdle Rates, Kapitalbudgets, die Hierarchie des Geldsystems. Ein Rahmenwerk, das von diesen abstrahiert, modelliert nichts. Doch die Kr&#228;fte, die diese Infrastruktur konstituieren &#8211; der Staat, der die Rechts- und Geldordnung setzt und garantiert, das internationale System, das den W&#228;hrungsraum strukturiert, und die Spannung zwischen Kapital und Arbeit, die die Bedingungen formt, unter denen Akkumulation verl&#228;uft &#8211;, werden zun&#228;chst als gegeben behandelt, nicht abgeleitet. Das markiert eine bewusste Abstraktion, kein Vers&#228;umnis, und den Punkt, an dem weiterf&#252;hrende Arbeit ansetzen m&#252;sste.</p><p>Dieses Problem Statement abstrahiert damit von:</p><ol><li><p><strong>den sozialen Verh&#228;ltnissen am Arbeitsplatz</strong>. Die Frage, was Chefs tun, wie Arbeit kontrolliert wird und wie die Organisation der Produktion Ergebnisse formt (Marglin; Bowles und Gintis), wird nicht behandelt.</p></li><li><p><strong>der Soziologie der Firma</strong>. Diese wird isoliert, indem ein stilisiertes Interesse postuliert wird, das jeder Firma gemeinsam ist: zu &#252;berleben, zu wachsen und schnell zu wachsen &#8211; wobei das relative Gewicht zwischen dem &#220;berlebenszwang und dem Expansionsdrang mit der Eigent&#252;merstruktur variiert. Dass die Rangordnung nicht willk&#252;rlich, sondern strukturell ist, folgt aus der kompetitiven Akkumulation selbst: Eine Firma, die nicht w&#228;chst, wird &#252;ber die Zeit verwundbar &#8211; was Wachstum auf &#220;berleben zur&#252;ckfallen l&#228;sst. Das gen&#252;gt, um die Firma zu einem wohldefinierten Akteur im Modell zu machen, ohne zu kl&#228;ren, wer sie kontrolliert oder warum. Die tiefere Frage &#8211; ob gerade im Falle der Corporation, also der Kapitalgesellschaft, Manager, Anteilseigner oder institutionelle Tr&#228;gheit letztlich das Verhalten der Firma bestimmen &#8211; wird zur&#252;ckgestellt, nicht weil sie unwichtig w&#228;re, sondern weil die Dynamiken der Akkumulation auf dieser Abstraktionsebene modelliert werden k&#246;nnen.</p></li><li><p><strong>der sektoralen Gliederung und Entwicklung</strong>. Sektoraler Wandel, der materielle Gehalt von Investitionen und die unterschiedliche Kapitalisierbarkeit verschiedener Wirtschaftsaktivit&#228;ten (was sich in ein Kapitalverm&#246;gen verwandeln l&#228;sst und was sich dagegen sperrt) stellen eine weitere Spezifizierungsebene dar, die ein ausgereiftes Framework aufnehmen m&#252;sste.</p></li><li><p><strong>dem Nationalstaat und den internationalen Beziehungen</strong>, in denen er sich bewegt. Diese sind zu einem gegebenen Zeitpunkt manifestiert als ein Gesellschaftsvertrag, der den politischen und &#246;konomischen Beschr&#228;nkungen des Staates Rechnung tr&#228;gt &#8211; wobei davon ausgegangen wird, dass dies immer ein bestimmtes Wachstumsmodell einschlie&#223;t, das von einer spezifischen Koalition verteidigt wird. Es wird erwartet, dass dieser Vertrag auch alle &#252;brigen oben aufgef&#252;hrten Aspekte beeinflusst.</p></li></ol><p>Ob ein Modell, das ebenfalls von diesen Dimensionen abstrahiert, Erkl&#228;rungskraft entfalten wird, kann sich erst mit der Konstruktion des Modells selbst zeigen. Diese Ausschl&#252;sse explizit zu machen, ist selbst ein methodologisches Bekenntnis: Ein Rahmenwerk, das beansprucht, alles auf einmal zu erkl&#228;ren, erkl&#228;rt in der Regel nichts Bestimmtes. Das Ziel ist, etwas zu bauen, das spezifisch genug ist, um auf informative Weise falsch zu sein.</p><h2>Literatur</h2><ul><li><p>Block 2012: Varieties of What? Should We Still Be Using the Concept of Capitalism? (In: Political Power and Social Theory 23: 269 ff.)</p></li><li><p>Bowles, Gintis 1993: Contested Exchange. (In: Journal of Economic Perspectives 7/1: 83 ff.)</p></li><li><p>Godley, Lavoie 2007: Monetary Economics.</p></li><li><p>Keynes 1936: The General Theory of Employment, Interest and Money.</p></li><li><p>Koo 2003: Balance Sheet Recession.</p></li><li><p>Levy, D., Farnham, Rajan 2008: Where Profits Come From. (Available at: <a href="https://www.levyforecast.com/profits-perspective/">https://www.levyforecast.com/profits-perspective/</a>)</p></li><li><p>Levy 2025: The Real Economy.</p></li><li><p>Levy 2017: Capital as Process and the History of Capitalism.</p></li><li><p>Marglin 1974: What Do Bosses Do? The Origins and Functions of Hierarchy in Capitalist Production. (In: Review of Radical Political Economics 6: 60 ff.)</p></li><li><p>Marx 1867 ff: Das Kapital. Band 1 bis 3.</p></li><li><p>Mason 2024: Taking Money Seriously (<a href="https://jwmason.org/slackwire/taking-money-seriously/">https://jwmason.org/slackwire/taking-money-seriously/</a>)</p></li><li><p>Mason 2025: Against Money. (<a href="https://jwmason.org/slackwire/against-money/">https://jwmason.org/slackwire/against-money/</a>)</p></li><li><p>Mason, Jayadev 2026: Against Money.</p></li><li><p>Mehrling 2012: Economics of Money and Banking, oder: MOOC. (<a href="https://sites.bu.edu/perry/lectures/mb-lectures/">https://sites.bu.edu/perry/lectures/mb-lectures/</a>)</p></li><li><p>Mehrling 2024: A Money View of Inflation: The Fourth Price of Money. (In: Money View Symposium #4. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=2pr3svEbaew">Youtube</a>)</p></li><li><p>Mehrling 2024: How Does Money Work. (In: Money View Symposium #4. <a href="https://www.youtube.com/watch?v=dRf_sjZsANM">Youtube</a>) </p></li><li><p>Tankus 2020: Low Interest Rates Don&#8217;t Drive Market Concentration (<a href="https://nathantankus.substack.com/p/low-interest-rates-dont-drive-market">Substack</a>)</p></li></ul><div class="embedded-post-wrap" data-attrs="{&quot;id&quot;:897310,&quot;url&quot;:&quot;https://nathantankus.substack.com/p/low-interest-rates-dont-drive-market&quot;,&quot;publication_id&quot;:34121,&quot;publication_name&quot;:&quot;Notes on the Crises&quot;,&quot;publication_logo_url&quot;:&quot;https://substackcdn.com/image/fetch/$s_!yFF2!,f_auto,q_auto:good,fl_progressive:steep/https%3A%2F%2Fbucketeer-e05bbc84-baa3-437e-9518-adb32be77984.s3.amazonaws.com%2Fpublic%2Fimages%2F06bb4ab3-c218-41e2-87cf-23bc1f6e8e51_256x256.png&quot;,&quot;title&quot;:&quot;Low Interest Rates Don't Drive Market Concentration&quot;,&quot;truncated_body_text&quot;:&quot;Dear Readers,&quot;,&quot;date&quot;:&quot;2020-08-25T16:19:00.284Z&quot;,&quot;like_count&quot;:48,&quot;comment_count&quot;:9,&quot;bylines&quot;:[{&quot;id&quot;:1083041,&quot;name&quot;:&quot;Notes on the Crises&quot;,&quot;handle&quot;:&quot;nathantankus&quot;,&quot;previous_name&quot;:null,&quot;photo_url&quot;:&quot;https://bucketeer-e05bbc84-baa3-437e-9518-adb32be77984.s3.amazonaws.com/public/images/d79828fd-0b29-4ed0-8a03-218d1b5f1b01_48x48.png&quot;,&quot;bio&quot;:&quot;Published by Nathan Tankus. 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